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Zeitreise zurück nach 2999


Kapitel 1: Ankunft in der Vergangenheit

Es ist kaum zu glauben, aber es gab noch keine Androiden. Vor einer Woche waren Sie hier eingetroffen, und es gab tatsächlich noch nicht die humane Dienstleistung durch künstliche Gehilfen.
Astrolina schaut sich staunend um. Was sie hier sieht, kennt sie nur noch aus den Archiven und den Kosmo Museen. Es wäre ein Leichtes für sie und ihrem Begleiter Trophox gewesen, die Geldinstitute dieser Zeit auszurauben, denn die Sicherungssysteme bestanden 2999 noch aus einfachen Raumdimensions-Kodierungen. Natürlich wusste Astrolina dies alles- die geschlossene Raum-Zeit Kodierung im Kontinuum einer Hierarchie 3. Ordnung in der 5. Dimension ist erst 620 Jahre später, 3619, erfunden worden. Doch es ist immer etwas anderes, wenn man archiviertes Wissen mit der Realität vergleicht.
Die Menschen von 2999 waren noch Barbaren. Es gab hier noch Rangordnungen, die es erlaubten, Menschen für niedere Arbeiten einzusetzen. Astrolina und Trophox haben sich seit der Zeit ihrer Ankunft mit den Gegebenheiten dieser Zeit vertraut gemacht. So wussten sie schon, dass selbst die Chirurgie - die niedrigste aller Tätigkeiten - noch von Menschenhand durchgeführt wurde. Astrolina bewunderte allerdings den Stolz, mit dem die Chirurgen dieser Zeit die entwürdigende Tätigkeit mit dem Evaporations- Skalpell durchführten. Damit war es auch kein Wunder, dass noch immer sehr viele Menschen bei einfachen Gehirntransplatationen starben. Es wäre in dieser Zeit unmöglich gewesen, ein Hirn routinemäßig in einen neuen Wirt zu pflanzen. Astrolinas Hirn bewohnte mittlerweile bereits den 5. Wirtskörper. An Komplikationen ist gar nicht mehr zu denken.
Astrolina und Trophox werden natürlich von dem Androidenstab begleitet, der die wichtigsten der Handlungspotentiale abdeckt. Der androidische Chirurg ist also ohne weiteres in der Lage, Astrolinas oder Trophox Gehirn in einen neuen Wirt zu pflanzen, wenn bei feindlichen übergriffen ihre Körper zerstört würden; an gesunden Wirten mangelte es 2999 noch nicht. Man musste hier, kurz vor Beginn des 4. Jahrtausend durchaus noch mit kriegerischen Handlungen rechnen. Es ist noch die Zeit der Kolonialisierung Europas, Asiens und Nordamerikas durch die afrikanischen und südamerikanischen Herrscher. Es sind praktisch noch 400 Jahre bis zum letzten aller Friedenskonventionen im Jahre 3395, dem großen Antarktischen Friedensabkommen. Ja, sie befinden sich in einer wilden Zeit, die noch so völlig verschieden ist von der modernen Welt des Jahres 4870. Und dennoch wurde hier, im Jahre 2999, der Grundstein gelegt, der die Welt von 4870 erst möglich macht. Diese Basis ist gefährdet und bedroht die moderne Welt. Das ist auch der Grund, warum Astrolina und Trophox in diese graue Vorzeit zurückgereist sind.



Kapitel von Hades

Tuesday, January 18, 2000 at 15:53:05

Kapitel 2: Professor Quantensprung
Im Aufenthaltsjahr 2999 gab es eine Kontaktperson, welche die Schnittstelle zwischen 2999 und 4870 darstellt. Jede Zeit hat ihre Kontaktperson, die jeweils im Wesentlichen auf die ihnen zugeteilte Zeit spezialisiert ist. Die Aufgabe der Kontaktpersonen besteht in der Hauptsache in der Wahrung der Zeitkontinuation. Sie musste immer Zugang zu entscheidenden Machtinstrumenten haben, ohne dabei selbst eine zu exponierte Stellung einzunehmen. Es ist ihr strengstens untersagt, mit ihrem Wissen in die Entwicklungen der jeweiligen Zeit einzugreifen. Die Kontaktperson des Jahres 2999 ist Professor Quantensprung vom globalen Regierungsinstitut für Kybernetische Entwicklungen. Er ist Referent der Institutsleitung und für die föderative Koordination zwischen den einzelnen Kontinentsinstituten zuständig. In dieser Position erhält er Einblick in die maßgeblichen globalen Entwicklungen dieser Zeit, ohne dass er selbst wissenschaftlich aktiv beteiligt ist. Astrolina und Trophox haben den Auftrag, gemeinsam mit Professor Quantensprung die Ursache für eine Zeitdiskontinuation herauszufinden, die im Jahre 4868 eine erste hochfrequente Störung im Raum-Zeit Kontinuum bewirkte, die sich zunächst als gravitatorische singuläre Fluktuation an einer der Mess-Sonden im Transplutoraum äußerte. Man hat dieses zunächst garnicht besonders beachtet, da die Signale vergleichbar waren mit einer normalen gravitatorischen Kollapsfluktuation beim Implodieren eines Roten Riesen. In der Folgezeit häuften sich die Gravitationsereignisse in einer Weise, dass man sehr schnell Kollapssignale ausschließen konnte. Sehr bald erkannte man die Gefahr einer bevorstehenden Resonanzkatastrophe im Gravitations-Frequenzspektrum. Das würde bedeuten, dass das Raum-Zeit-Gefüge im gesamten Milchstraßensystem zerfließen würde, was der vollständigen Vernichtung dieses Systems gleichkommt. über Auswirkungen auf Nachbargalaxien wollte man garnicht nachdenken. Wenn die Ursache, die der Marsrechner im Jahre 2999 lokalisiert hat, nicht gefunden wird, besteht die Möglichkeit, dass das bekannte Universum aufhört zu existieren. Astrolinas und Trophox Mission ist also die Wichtigste, die in der Geschichte des Universums je unternommen wurde. Von ihnen und Professor Quantensprung hängt also das Schicksal der Existenz ab. Astrolina und Trophox sind vom Sekretär in den abhörsicheren Konferenzraum geführt worden. Ihre Ankunft ist dem Professor selbstverständlich übermittelt worden, so dass er sie bereits erwartet hatte. Der Wirt des Professors ist ein 45 jähriger Mann von unauffälligem äußeren. Als er in den Raum tritt, empfängt er die Abgesandten wie zwei alte Freunde, obwohl sie sich untereinander nie zu Gesicht bekommen haben. Er verliert sich in Verbindlichkeiten und fragt nach dem Befinden der Lebenspartner und der Kinder Astrolinas und Trophox. Am Rande sei erwähnt, dass diese scheinbar oberflächliche Unterhaltung bereits ein Austausch von wichtigen Informationen beinhaltet. Trotz der Abhörsicherheit des Raumes ist die Sprache der Konferenzteilnehmer nach einem System verschlüsselt, das 2999 noch nicht bekannt war; für einen Unbeteiligten hört sich die Unterhaltung wie Small Talk an. Da aber Geheimhaltung auf höchster Ebene geboten war, bittet der Professor den Sekretär, sie allein zu lassen. Astrolina und Trophox tragen hier im Jahr 2999 nicht ihre wirklichen Namen, da diese ungewöhnlich für diese Zeit sind. Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Astrolina und Trophox hier die Namen Doktor Feinspektrum bzw. Doktor Plasmafusion tragen. Der Einfachheit werden sie hier weiter Astrolina und Trophox genannt. Des weiteren wird eine entschlüsselte Version der Unterhaltungen gegeben, so dass der Leser den Geschehnissen folgen kann. Der gefällige Leser soll sich aber immer dessen bewusst sein, dass die Umwelt des Jahres 2999 nur belanglose Gespräche wahrnimmt.


Kapitel von David Siegers

Sunday, August 27, 2000 at 21:28:26

Kapitel 3: Zerstückelte Zeiten
Prof. Q.: Es bleibt uns nicht viel Zeit. Astrolina: Ich vermute, Sie haben vergessen, daß wir die Zeit kontrollieren. Ist es heute zu früh, so werden wir gestern zurückkehren. Trophox: Meine Kollegin hat recht. Die 4. Dimension ist im 5. Jahrtausend keine Einbahnstraße mehr, um eine Redewendung der Präbeamären ära zu verwenden. Die technische Rückständigkeit Ihres Arbeitsplatzes, wenn Sie es so nennen wollen, hat Ihnen hoffentlich nicht gescha... Prof. Q.: ...keine Sorge. Ich weiß sehr wohl, welches Jahr wir schreiben. Ich bin mir vollkommen über die Möglichkeiten der menschlichen Zivilisation im Jahre 4870 bewußt und dennoch drängt die Zeit. Astrolina & Trophox: Das müssen Sie erklären ! Prof. Q.: Ich glaube das Problem der Zeitdiskontinuität und der damit verbundenen ersten Störungen im Raum-Zeit-Kontinuum des Jahres 4868 entdeckt zu haben. Das Problem befindet sich nicht wie der Marsrechner kalkuliert hat "hier und jetzt" - sondern im Jahre 4870. Astrolina: Sie dürfen den neuromathischen Marsrechner nicht mit den fehlerhaften CPUs des Jahres 2999 vergleichen - Der Marsrechner ist fehlerfrei. Prof. Q.: Er war fehlerfrei, doch das Problem der Zeitdiskontinuität muß sich auch auf seine fuzzylogischen Schnittstellen ausgeweitet haben. Die unscharfe Interpretation, der peripheren Signale könnte im Falle einer ernsthaften Frequnezanomalie zu irreparaplen Schäden der neuromathischen Sensoren geführt haben. Trophox: Wieso ist Ihnen der Marsrechner derartig vertraut ? Prof. Q.: Ich habe Ihn entwickelt. Als Kontaktperson bin ich hier heute ehrenamtlich tätig. Astrolina: Dann verstehe ich nicht, weshalb Sie sich gerade für das Jahr 2999 entschieden haben. Trophox: Mir ist diese Zeit ebenfalls überaus unzugänglich, sowohl die Sitten als auch die Menschen und erst Recht der anachronistische Verzweiflungsschrei: Krieg. Prof. Q.: Eben deshalb bin ich hier bzw. jetzt, weil die Vergangenheit uns einholen wird, wenn wir Sie nicht irgendwann aufarbeiten. Die Kolonialkriege sind nämlich nie wirklich entschieden worden, sondern eigentlich hat man sie mit dem "Großen Antarktischen Friedensabkommen" aufgrund des existentiellen Resourcenmangels aller Parteien eingestellt. Nicht Einsicht sondern Schwäche hat damals den Friedensvertrag unterzeichnet. Wir müssen uns aber jetzt mit einem wichtigeren Problem beschäftigen. Astrolina: Wissen Sie bereits wodurch die Zeitdiskontinuität verursacht wird ? Prof. Q.: Es liegt an der Beschaffenheit der Zeit. Wie Sie beide wissen handelt es sich bei der Zeit um eine gequantelte Größe. Diese Eigenschaft machen mir uns bei der Zeitreise zu Nutzen. Die Auswertung analoger, temporärer Signale, könnte niemals in Echtzeit erfolgen, was aber absolut notwendig ist. Erst mit der Entdeckung der Elementarzeit wurde bekanntlich die Zeitreise möglich. Ich befürchte aber, das es bisher unbekannte Nebenwirkungen gibt. Kurz nach Ihrer Abreise ins Jahr 2999, den genauen Termin konnte ich mit meinen Möglichkeiten hier noch nicht ermitteln, wird es eine Art Stack-Overflow geben. Die Zeitreisen, die wir unternehmen besitzen eine rekursive Struktur. Wäre die Zeit ein analoges Gebilde, hätte dies keine weiteren Folgen doch aufgrund der Elementarzeit füllt sich der temporäre Stack des Universums mit jeder Zeitreise um eine weitere Einheit. Die Größe des Stacks scheint verhängnisvollerweise begrenzt zu sein. Trophox: Wir müssen also zurück in unsere Zeit... Prof. Q.: ..und jede weitere Zeitreise abbrechen. Astrolina: Aber was wird dann aus Ihnen und den weiteren Kontaktmännern ? Prof. Q.: Wie sind dann "Gefangene der Zeit" !